Der Yachtgutachter für alle Fragen
  Osmose
 

Olaf Rosenhagen, Sachverständiger für Boote und Yachten, Worpswede



Wie entsteht Osmose?


Bei der Herstellung des Bootsrumpfes wird theoretisch davon ausgegangen, dass das Laminieren des Rumpfes, ob im Handauflegeverfahren oder im Spritzverfahren, blasenfrei geschieht, also ohne Lufteinschlüsse.

Dafür verantwortlich zeichnen neben den gewählten Materialien die Laminierer und deren Qualitätsprüfer.

Die Gesamtverantwortung trägt selbstverständlich der, der das kaum alles beaufsichtigen kann, nämlich der Hersteller.

Versuchen Sie mal eine der üblichen Plastikfolien blasenfrei auf die Scheibe Ihres Autos zu kleben! Über minimale Blasenbildungen, die kaum zu sehen sind, gehen Sie großzügig hinweg. Ihr Verbleiben schadet ja Niemandem.

Diese Darstellung sollte auch nur dazu dienen, um aufzuzeigen, wie schwer die Erstellung eines blasenfreien Laminats ist. Viel wichtiger ist die Flüssigkeitsfreihaltung dieser meist Mikroblasen von Lösungen und Weichmachern, um damit einen osmotischen Druckaufbau zu verhindern.

Mehr noch jedoch plagt uns die Blasenentwicklung zwischen Laminat und Gelcoat.

Hier liegt überwiegend die Brutstätte der Entstehungsgeschichte "Osmose"! Eine zwischen Gelcoatschicht und Laminat entstandene Blase ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, deren Substanz im allgemeinen aus chemischen Restbeständen von Harzanteilen, Härtern und Lösungsmitteln oder Weichmachern besteht.

Diese Flüssigkeit hat, und dafür braucht man erst gar nicht eine Dichtemessung durchzuführen, eine hohe Dichte. Die Umgebungsfeuchtigkeit ist bei Booten, die im Wasser liegen, im Unterwasserbereich bei Fluss- oder Seewasser aufgrund ihres Salzgehaltes und der Wassertemperatur eine Feuchte mit einer niedrigeren Dichte. Bei aufgepallten Schiffen ist die Situation durch den Feuchtigkeitsgehalt der Luft (allerdings mit einer zeitlichen Verzögerung) nicht wesentlich anders.

Nach dem Gesetz der Pfefferschen Zelle, zieht die Blasenflüssigkeit (Lösung hoher Dichte) durch das nicht wasserdichte Gelcoat (Membrane) die Umgebungswasserdampfmoleküle nach und vermischt sie mit der Blasenlösung.

Um der nachdrückenden Umgebungsfeuchte Platz zu schaffen, muss sich die Blase zwangsläufig vergrößern und ausbreiten. Entweder findet eine größer werdende Gelcoatabsetzung vom Laminat statt oder die Blase platzt, da der Druckaufbau im Inneren der Blase zu groß wurde.

Dieser Vorgang kann unter Umständen mehrere Jahre dauern, verschiedentlich tritt er auch schon bereits nach 2 - 3 Jahren auf. Hierbei spielt der Dichteunterschied, der in wärmeren Zonen größer ist,  zwischen Blasenlösung und Umgebungsfeuchte eine wesentliche Rolle.

Hier liegt auch die Erklärung, weshalb Boote in der Nordsee geringer osmoseanfällig sind.

Man könnte daraus schließen, dass das von Umwelteinflüssen stark verschmutzte Wasser der Nordsee, durch den dadurch entstehenden höheren Dichtewert, näher am Dichtewert der Blasenlösung liegt, dadurch zu einer weiteren Verringerung der Osmoseanfälligkeit führt. Allerdings treten dann andere Gefahren für Boot und insbesondere für die Crew auf, so dass ich diesen Hinweis nur rein theoretisch betrachten möchte.

Auf die rein chemischen Vorgänge des Umwandlungsprozesses der Blasenlösung durch Herstellungsmängel und ungenügender Materialwahl möchte ich nicht weiter eingehen, da hierüber ausreichende Informations-Broschüren insbesondere der farben- und kunststoffverarbeitenden Industrie vorliegen.

 
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